Wir sind in der 7. Raunacht angekommen und dürfen jetzt nochmal so viele Nächte erleben wie schon zuvor. Bergfest sozusagen. Wer von euch kann sich wirklich die Zeit ganz in Ruhe begeben? Für mich sind die täglichen Destillationen kleine Meditationsanker geworden und so langsam merke ich Erfahrungszuwachs – zumindest in meiner Einstellung und im Erkennen, wann die Destillation vorbei ist. 

Schafgarbe – Gesundmacher (nicht nur) der Schafe

Der etymologische Ursprung des deutschen Namens der Achillea millefolium ist das althochdeutsche Wort garve, das Gesundmacher bedeutet.

Über die gesundmachenden Künste erfährt man in der Mythologie zur Schafgarbe (Achillea nimmt Bezug auf Achilles) und in ihrer Pflanzensignatur so einiges.

Wer sich einmal anschickt, die Pflanze detailliert zu beschreiben, wird immer wieder feststellen, wie sich Gegenteile in ihr zeigen. Alles an ihr scheint ein Einzelleben zu führen und sich scheinbar einem gesamtharmonischen Bild zu entziehen:

Die Blütenetage ist weit entfernt vom Blätterbereich. Meist sind die Blüten weiß, aber rosa kommt je nach Boden auch vor. Die grünen, aber holzigen, Stängel stehen scheinbar nicht im Zusammenhang mit den blaugrünen filigranen gefiederten Blättern (millefolium = tausendblättrig). Und es ist der einzige Korbblütler, der zusätzlich doldenartige Blütenstände ausbildet. Diese Blütenstände gehen vom Stängel in relativ großen Winkeln ab – sie suchen die Trennung. Nur, um vom Blick von oben wieder ein ganz dichtes Blütenmeer zu zeigen. Polarität – dafür steht die Schafgarbe. Und das ist bekanntlich ein heißes Thema. 

Die geistige Wirkung der Schafgarbe

Schafgarbe vereint Polaritäten und zwar in all ihrer Gleichberechtigung. Wie entspannend es doch wirken kann, wenn wir uns erlauben können, scheinbar Gegensätzliches in aktuellen Situationen einfach gleichsam nebeneinander stehen lassen zu können.

Wohl deshalb ist sie uns immer wieder eine große Hilfe bei großen Veränderungsprozessen, die sie akzeptieren hilft. Die gegensätzlichen Hormone des weiblichen Zyklus‘ z.B. gehören letztlich dennoch zusammen. Alles darf und muss zu seiner Zeit im Fokus stehen. Deshalb wirkt sie leicht regulierend hierauf ein und entspannt unseren Umgang mit dem Auf und Ab.

Das Auf und Ab macht sie uns übrigens richtig zugänglich. Wenn wir Herausforderungen im Leben begegnen, denen wir uns nicht gewachsen fühlen, hilft sie uns mit einem Auf und Ab von Problem, Perspektive und Selbstwertgefühl auf Augenhöhe mit der Herausforderung zu kommen. Plötzlich scheint die Hürde gar nicht mehr so groß.

So ist sie eine Helferin für wirklich jeden Wandel im Leben. Dieses Potential erkennt man vielleicht einmal mehr, wenn man sieht, wie ein paar kleingeschnittene Blätter oder Auszüge der Schafgarbe im Kompost den Umwandlungsprozess beschleunigen.

Irgendwie macht es schon Sinn, dass man für große Bewegung erst die Polaritäten wahrnehmen muss. Ohne sie gäbe es keine Spannung, kein Hin und Her, kein Auf und Ab.

Destillation der Schafgarbe

Schafgarbe ist wirklich eine dankbare Pflanze zur Destillation. In diesem Jahr gab es von ihr viel zu wenig in der Natur – die Wandlung stand auch nicht im Vordergrund in 2018, sondern die Überprüfung und „Aktualisierung“ unseres Selbstausdrucks sowie das Loslassen, was nicht mehr dazu passt. Aber wir haben ja noch getrocknete Schafgarbe. Neben den Blüten steckt auch in den Stängeln einiges an ätherischem Öl. 

Mit den gekauften getrockneten Blüten habe ich sicher nicht die am schonensten zubereiteten Blüten bekommen – aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, vielleicht mit Frischpflanzen im neuen Jahr trotz 0,5 L Destille das große Wunder der Destillation in Farbe zu erleben: Denn mit ihr wird bei Schafgarbe und der deutschen Kamille (und noch 2 anderen Pflanzen) aus dem darin befindlichen Matricin das Chamazulen gebildet und das ist tiefblau. Man könnte in der Destillation auch beim Hydrolat an den Rändern oder gar mal als leichte Ätherisch-Öl-Tropfen eine blaue Farbspur erkennen. Chamazulen ist fettlöslich und nur als kleiner „water oil“ Anteil im Hydrolat zu finden. Und es ist hoch entzündungshemmend und kühlend. Aber auch wenn es diesmal nicht klappte, die Destillation war großartig!

Keine Angst vorm Druck

Schon als ich die Schafgarbenblüten mit dem Quellwasser ansetzte, war ich entspannt. Wieder bildete sich ein dichter Teppich von Blüten, die sich erst einmal etwas mit Wasser vollsogen. Ich wunderte mich noch, warum ich gar keinen inneren Spannungsdruck verspürte, ob dies denn nicht zu abdichtend sei. Eine Stimme in mir beruhigte mich sofort und befreite mich von unnötiger Sorge. (Aber wirklich, weil sie hier unbegründet war. Bald löste sich der Teppich und alles verteilte sich im Kolben.) Der Geist der Schafgarbe war jedenfalls schon am Wirken.

Ich ließ die Destillation ganz entspannt beginnen und es die ganze Zeit über nur minimalst köcheln. Es reichte der feine Wasserdampf, der aufstieg.

Wandlung – hier bin ich schon!

Noch bevor sich der erste Tropfen bilden konnte (das dauerte nochmal so 2 Minuten) schoss plötzlich ein sagenhaft schöner Duft aus dem Kühlerrohr. Wow. Die Schafgarbe kündigte sich früh an. Das war mir so noch bei keiner anderen Destillation aufgefallen.

Die Vorfreude stieg ins Unermessliche und ich feierte den ersten Tropfen, der gleich aus 3 euphorischen Tropfen bestand. Vor lauter Feiern hob ich zwar das Glas auf Merkur, vergaß aber den zweiten Schluck für die Schafgarbe – sie war bei mir wegen ihrem Thema wohl schon ganz mit Merkur verschmolzen. Das holte ich dann aber nach.

Vielleicht, so grüble ich, ist ein Geheimnis Veränderungsprozesse anzunehmen, sie einfach anzugehen und noch bevor man die Veränderung und den damit assoziierten Schmerz erwartet hat, schon verändert worden zu sein. Und das dann schmerzlos und frei, wie ein auferstandener Phoenix. Denn sie riecht von Anfang an gut, die Schafgarbe:

Olfaktorische Genüsse und Aha-Erlebnisse

Die Destillation ging wunderbar leicht und was der Schafgarbe hoch anzurechnen ist: Sie riecht von Anfang an wunderbar. Wo man bei anderen Hydrolaten noch auf einen Wandlungsprozess beim Nachreifen hoffen muss, hat sie ihre Wandlung scheinbar schon im Kolben verbracht – sie macht mit dem Chamazulen ja auch sichtbar, wie großartig ihre Verwandlungen schon im Kolben sind.

Und noch etwas habe ich mit ihr so langsam gelernt: Den olfaktorischen Sinn für den Pups des Drachens, also heraus zu riechen, wann die Destillation der Pflanze vorbei ist. So langsam speichert der Geruch sich im Gedächtnis ab. Es braucht an allen Punkten der Destillation eben „nur“ Erfahrung.

Zu den Raunächten gehört es zu Raunen, etwas divinatorisch zu wirken. Ihr ahnt, das Orakeln zu Silvester ist nur ein Überbleibsel aus der gesamten Raunachtszeit. Die 7. Raunacht steht für den Juli. Ich ziehe gern Tarotkarten in der Zeit. Aber ihr könnt auch aus den verschiedenen Pflanzenkartensets einen Duftbegleiter für die Zeit ziehen. Ein solches Set könnt ihr hier gewinnen:

Mitmachen und gewinnen!

Bei jedem Rätsel könnt ihr mitmachen. Wer richtig liegt, wird in die Auslosung am 6. Januar genommen. Wer 12 x richtig liegt, steht auch 12 x in der Liste! Beachtet jedoch, dass jede/r nur einmal pro Rätsel mitmachen kann. Mehrmalige Teilnahmen unter verschiedenen Angaben sind nicht fair und führen zum Ausschluss für das gesamte Gewinnspiel. Einsendeschluss für dieses Raunachtsrätsel ist der 31.12.18 um 18 Uhr. Alle im Zuge des Rätsels eingesandten und gespeicherten Daten werden umgehend nach der Verlosung gelöscht und nur für die Verlosung selbst genutzt.

Gewinnen könnt ihr eines meiner Kartensets „Duftimpulse 1„:

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Rätselfrage

Mit der Schafgarbe können wir etwas in die Griechische Mythologie abtauchen. Denn Achillea millefolium, ihr botanischer Name, nimmt Bezug zum gottgleichen Heros Achille(u)s. Tatsächlich wurde er in die wundheilende Kraft des Krautes eingewiesen. Wer war sein vielgewandter Lehrmeister?

 

Die Antwort:

Gesucht war der Kentaur Chiron bzw. Cheiron. Als edelster und gerechtester Kentaur bekannt, unterwies er den jungen Helden Achilleus in der Kriegskunst, der Musik und der Heilkunst. Er selbst wurde durch eine Verfolgungsjagd mit einem vergifteten Pfeil getroffen. Er war als Halbbruder Zeus‘ unsterblich, doch trotz all seines heilkundigen Wissens vermochte er keine Heilung für seine Wunde zu finden. So opferte er schließlich seine Untersterblichkeit für Promethus und starb. Die Symbolfigur für den verwundeten Heiler finden wir auch in der Astrologie. Dort, wo Chiron steht, zeigt er eine tiefe Verwundung an, an der wir lange arbeiten dürfen, die immer wieder Thema sein dürfte und die uns einst durch Heilung wahrlich weise und verständnisvoll macht. Da passt die Schafgarbe wunderbar ins Spiel, indem sie diese Herausforderung vielleicht besser nehmen lässt.

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