Ich liebe Cistrosen. Bei der Aromareise 2021 auf die italienische (und magische) Vulkaninsel Pantelleria haben wir uns neben zwei anderen starken Protagonistinnen den vielfältigen Cistrosen gewidmet. Im Vorfeld sind Ines und ich so richtig in die Signaturenlehre eingesunken und kamen mit der Einsicht zurück, dass es Zeit für eine neue Signaturenlehre ist. Denn in unserer heutigen Zeit sind ganz neue Lebensaspekte zutage getreten, welche auch bisher in den Pflanzen präsent waren, aber wir erst zunehmend bewusst erkennen. Am Beispiel der Cistrosen möchte ich das aufzeigen.

Pluto in den Cistrosen

Cistrosen schenken uns wunderbare Düfte, um an die unbewusste Beteiligung von sich thematisch wiederholenden schmerzhaften Erfahrungen heranzukommen. Kindheitstraumata aber auch später im Leben erlebte Verletzungen begegnet sie mit großer
Würde. Manche Art bezieht sich dabei eher aufs eigene Leben, während andere kollektivere Themen ansprechen.

In der Signatur erkennen wir dies schon an ihrem plutonischen Anfang: Sie brauchen das Feuer, durch das sie erst zum Leben erweckt werden, denn sie sind Brandkeimer. Mit Cistrosen gehen auch wir durchs Feuer, reinigen und klären Geschichten und unsere Beziehung zu ihnen, die uns einst erstarren ließen. Ihr Ziel ist es, das wir unsere Schmerzen aber auch unser Ego überwinden, um ganz authentisch zu werden.

Das mag der Ursprung des »Schwierigen«, Polarisierenden an Cistrosendüften sein, obschon sie auch sehr verschieden sein können und interessanterweise auch sehr verschieden olfaktorisch wahrgenomen werden. Es ist genau diese mögliche schmerzhafte Konfrontation. Nicht jede/r vermag der Einladung zu folgen, zu den eigenen Wunden und Narben zu stehen und
Lebenserfahrung auch als Leidensgeschichte anzuerkennen und zu zeigen. Wer wie der Phönix aus der Asche hervorgeht, weiß, was Eigenmacht bedeutet.

Ein weiterer Hinweis auf Pluto in Cistrosen zeigt sich im Jahresverlauf: Es gibt kaum eine Zeit, in der sie keine Blätter trägt. Sie ist bestens vor Austrocknung durch den Harzüberzug geschützt, aber weiß sich auch sehr gut an widrige Lebensumstände anzupassen. Sie haushaltet mit ihren Kräften, ohne für Notzeiten anzusammeln. Sie reguliert und reduziert sich in der Dürre derart, dass sie mutig den Gang durch die Unterwelt aufnimmt. Dabei illustriert sie ein fast immergrünes Erscheinungsbild. Es erscheint schier erstaunlich, auf welche Kraftquellen sie sich berufen kann, indem sie sich so mit ihrer eigenen Unterwelt verbindet und verbündet.

Transsaturnal – die neuen Aspekte

Die traditionelle paracelsische Signaturenlehre kennt Sonne, Merkur, Mond, Mars, Venus, Jupiter und Saturn. Saturn ist der letzte Planet, den man noch mit bloßem Auge erkennen kann. Mit den Entdeckungen der transsaturnalen Planeten durch neue technische Errungenschaften wuchs nicht nur die Astrologie und Astronomie (einst ja nicht zu trennen). Die Aspekte, die mit diesen Planeten verbunden werden, bildeten aktuelle gesellschaftliche und Bewusstseinsprozesse ab. Seit der Entdeckung von Pluto im Jahre 1930 haben wir es stärker mit Macht / Ohnmacht Prozessen zu tun. Auch wurde es hier deutlicher denn je zuvor, also bewusster, dass jed‘ Ding zwei Seiten hat. Große Erfindungen konnten in großen Katastrophen landen. Atomkraft sei ein Beispiel. Polarisation – das kennen wir auch von den Cistrosen.

So sollten wir heute auch auf Uranus, Neptun und Pluto in den Pflanzen Ausschau halten. In den Cistrosen findet sich neben Pluto noch eine transsaturnale Kraft stark ausgeprägt, nämlich Neptun. Wer bisher durch die fünfzählige Blütenblattanzahl an Venus gedacht hat, darf einmal darüber sinnieren, ob wir hier nicht doch in der nächsten Ebene der Venus sind, in der Oktave, in der Neptun diese Rolle übernimmt. Man erkennt es vor allem in der magentafarbenen Blüte der Kretischen Cistrose (Cistus creticus): Sie wirkt hypnotisch.

Aber bleiben wir für den Moment beim Pluto, der in der Signaturenlehre und der Astrologie ja glücklichweise seine Planetenstellen sicher hat.

Pluto in Pflanzen erkennen

Bei den Signaturen ist es so, dass wir immer alle Planetenenergien in allem finden. Auch in uns selbst. Doch sind wir ja dennoch verschieden und haben Schwerpunkte. Die gilt es herauszuarbeiten.

Pluto steckt

  • im Kugelförmigen
  • im Stacheligen
  • in gedrehten Formen, Geschlängeltem
  • im Dunklen, Dunkelgrünen, Türkisen und Schwarzen
  • aber auch im weißlich Grünen der Lauch- und Liliengewächse
  • in unsichtbaren Formen (hohler Körperbau), die aber sehr wirksam sind (wie z. B. Spinnennetze im Tierreich)
  • in Brandkeimern
  • in Pflanzen, die oft beschnitten werden und trotzdem gut überleben
  • in Pflanzen, deren Blüte nicht weit vom Stiel abzweigt
  • in Pflanzen, die gern im Spätherbst blühen, wenn die Sonne im Skorpion steht und Spinnen sichtbar werden
  • in betörenden Düften
  • in fleischfressenden Pflanzen
  • in Fruchtpflanzen, die gern vergoren werden oder Gärungsprozesse anregen
  • in magischen Pflanzen und jenen, die gern für magische Zwecke eingesetzt werden
  • in Panzer- und Schildpflanzen
  • in Pflanzen, welche gern auf Friedhofen gepflanzt werden (da steckt dann auch Saturn drin)
  • in Würgepflanzen, Schlingpflanzen, Windepflanzen
  • in der Zahl 8

Diese Auflistung ist von Andreas Bunkahle adaptiert, welchen ich sehr für seine astrologischen und astromedizinischen Kenntnisse schätze. Ebenso stammt von ihm die Übersicht über die Indikationen und Wirkungen von plutonischen Pflanzen:

Wo Plutopflanzen wirken

Plutosignaturen sind ein Hinweis auf

  • aphrodisische und virustatische Wirkung
  • Bezug zu Augen, Eierstöcken, Eileitern, Hoden, Prostata, Gehirn und unseren Eiweißhaushalt
  • Indikation bei Krebserkrankungen, unausgeglichener Körperspannung
  • und für Homöopathinnen: Hinweise auf den Syphilitischen Formenkreis

Psychisch geht es Pluto um die Fragen nach Macht, Wahrhaftigkeit, Wahrheit und Transformation. Mitunter auch um die Frage: Was darf sterben?

Diese Fragen sind zentral für die Cistrosen. Ihr ganzes Sein ist aus dem Keim entstanden, der durchs Feuer musste – so ist ihr ganzes Sein mit plutonischem Charakter durchdrungen. Körperlich sehen wir den Einfluss auf dem stark immunstabilisierenden und -stärkenden Effekt, aber auch in der antiviralen Wirken. Bei welchen Viren genau, das ist für die ätherischen Öle und Hydrolate zu wenig erforscht. Die Polyphenole, die im Teekraut ausgezogen werden, sind bekanntlich stark gegen Grippeviren. Über Viren hinaus sind Cistrosen (hier wieder ätherisches Öl und Hydrolat) auch stark gegen Borrelien aufgestellt – jedoch nicht die Lack-Cistrose, sondern Montpellier-Cistrose (Cistus monspeliensis) und die Kretische Cistrose. Auch das ist eine Problematik, die immer bedeutender wird.

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