Palo Santo, das Heilige Holz, ist ein Duft, den die meisten eher als Räucherstoff kennen. Doch man kann das Holz auch destillieren. Hölzer brauchen besondere Vorbereitung und längere Zeit bei der Destillation. Hier habe ich mich an meine erste Holz-Destillation gewagt und berichte davon – wie auch von der geistigen Wirkung des Duftes.

Das Heilige Holz – Palo Santo

In seiner zentral- und südamerikanischen Heimat gibt es viele Bäume, die Heiliges Holz gerufen werden. Daher gilt es zu differenzieren. Das hiesig bekannte Palo Santo, mit dem ich gern zwischen Patientensitzungen in der Praxis räuchere, ist das Holz von Bursera graveolens

Man sieht es ihm schon an, wenn man sich sein natürliches Habitat und ihn darin anschaut: Er ist ziemlich kahl und seine scheinbar weiß-graue Rinde (tatsächlich ist sie grau-violett, aber von Flechten überzogen) bringt viel Reflexion in die lichte Gestalt. Das erzählt uns zweierlei:

Die geistige Wirkung Palo Santos

Der Baum und sein Duft verhelfen uns ebenso abzulegen, was nicht authentisch ist. Was macht uns wirklich aus? Was ist nur Fassade? Das ist der Grund, warum ich ihn vor jeder Sitzung so gern verräuchere: Ich möchte authentische Begegnungen und ein klares Feld, in dem Heilung geschehen kann – ohne mich zunächst durch Masken des Alltags kämpfen zu müssen und auch selbst authentisch in die Begleitung gehen zu können.

Schatten tauchen in das Licht

Zweitens erzählt uns die lichte Gestalt vom Licht. Trifft unertragbare Dunkelheit in das Umfeld von Palo Santo, wird sie von seinem Licht verschluckt. Das ist unglaublich herzerleichternd, angstbefreiend und mutmachend.

Destillation des Palo Santo Holzes

Kleine Holzstücke, in Spänen oder klein gehackt, kommen bei der Destillation bestens zur Verwendung. Beim Bezug ist auf nachhaltige Quellen zu achten. Schon beim Räuchern wird deutlich, dass man sehr lange von einem Stück Holz zehren kann. Bei der Destillation gilt ähnliches: Wie ich ich lernen durfte, braucht es nur sehr wenig Späne für eine lange gute Destillation.

Von langer Hand (bzw. Nacht) planen

Das Holz gehört zunächst für mehrere Stunden eingeweicht. Ich hatte die Idee zur Palo Santo Destillation mitten in der Nacht zuvor und wandelte im Halbschlaf zum Kolben, füllte die Holzstücke hinein und goss mit Quellwasser auf. Dann ging ich wieder schlafen.

Am nächsten Morgen studierte ich kurz ich den Eintrag zu dieser Destillation bei Susanne Fischer-Rizzi: Man solle das Holz mit kochendem Wasser übergießen und nach mehreren Stunden aus dem Ansetzwasser destillieren. Das Quellwasser aber war zimmerwarm. Hm. Nächstes Mal.

Köchelnde Glut

Mit phytotherapeutischem Hintergrundwissen gesegnet, durfte das Holz bei mir nicht nur lange, sondern auch wärmer im Kolben tanzen als die feinen Blüten. Auch bei Tee gilt ja: Wurzeln und Hölzer sollen für z. B. 20 min köcheln und nicht nur einfach mit heißem Wasser übergossen werden.

Und so begann meine Freude: Kaum begannen die Holzstücke zu tanzen, sah es im Kolben aus wie wabernde Glut. Das Wasser färbte sich in einen wunderbaren Rotton. Über mehrere Stunden wurde es ein fantastisches Rubinrot. Der Duft kam lange vorm 1. Tropfen aus dem Kühlungsrohr. Ganz authentisch nach Palo Santo riechend – nach warmen vanilleartigen Holz.

Rauch, ätherisches Öl oder Hydrolat – Wie intensiv darf Palo Santo sein?

Wer von euch kennt sowohl den Rauch als auch das ätherische Öl von Palo Santo? Ersteres erfreut die meisten, letzteres fordert viele heraus. Es ist aber das Thema, was dabei eine Rolle spielt. Das ätherische Öl scheint forscher auf die Schatten loszugehen, damit wir sie ins Licht bringen können. Das Hydrolat trifft sich in der Mitte, Tendenz zum Rauch. Ich finde es sehr angenehm.

Auch wenn Rauch selbst reinigt, kann Palo Santo Wasser als Raumspray sicherlich ähnlich gute Dienste leisten wie das verräucherte Holz. Wenn man unterwegs ist und die Sensibilität der lokalen Feuermelder nicht kennt, ist das möglicherweise ein guter Ersatz. Ansonsten macht sich ein Sprühstoß in die Hände und dann tief eingeatmet gut, um schwierige Situationen durchzustehen. Auch als täglicher Anker, um die Masken des Alltags abzuwerfen und in Ruhe zu sich selbst zu kommen, ist es geeignet. Als Körperumfeld/Auraspray oder wieder um die Hände eingeatmet.

 

Bildquellen: Titelbild und Habitusbild von Lucy Autrey Wilson / shutterstock

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