Die Cistrose der Aromatherapie ist heute die Lack-Cistrose, Cistus ladanifer. Aus weiteren Arten finden wir kein Öl oder Hydrolat im Handel. Naja fast. Ines von Soleone Pantelleria ist von der üppigen Wildflora der auf Pantelleria heimischen Cistus-Arten so fasziniert, dass diese selbstverständlich in der Destille wandern. Dabei taten das in der Vergangenheit viel mehr Menschen.

Lack-Cistrose – die mit dem Blutstropfen

Sie ist ein prominentes Gesicht in der Aromawelt, denn ihre blutstillende Wirkung sucht ihresgleichen. Ein Tropfen auf eine blutende Wunde und die Blutung stoppt. Man sollte selbstverständlich in Erwägung ziehen, so einige Wunden bluten zu lassen – aber manchmal braucht man so eine Superkraft. Genauso hilfreich ist übrigens das Hydrolat, das in meiner Hausapotheke eines der meistaufgesuchtesten Pflanzenwasser ist. Ich gebe zu, ich bin ihrem Duft abgöttisch verfallen.

Emotionale Wunden, die noch in uns bluten, ist ihr psychisches Terrain. Sie bohrt tief, ist kompromisslos, aber heilt dadurch selbst tiefste seelische Wunden.

Ihre raue Ehrlichkeit lässt sich nicht leicht abwehren – sie klebt so fest, wie das Labdanum an den endständigen Blatt- und Blütentrieben, aus dem das Öl und Hydrolat gewonnen wird. Man muss sich drauf einlassen und nicht alle kommen mit dieser Konfrontation und Tiefgründigkeit zurecht.

 

 

Körperliche Wirkungen der Cistus ladanifer, Lack-Cistrose

  • stark antibakteriell und antiviral (insb. bei Windpocken, Gürtelrose, Röteln, Scharlach, Keuchhusten)
  • gefäßwandstabilisierend, stark blutstillend
  • stark Immunsystem stabilisierend (interessant bei Autoimmunerkrankungen, Sklerodermie und rheumatischer Arthritis)
  • neurovegetativ, parasympathikoton (soll heißen: Nervensystem ausgleichend mit dem Fokus auf Aktivierung unseres Parasympathikus, der für Erholung und Verdauung sorgt)
  • pilztötend (Candida)
  • hautregenerierend (die Signatur könnte nicht eindeutiger sein – Cistrose hilft bei alter, reifer Haut, gar Papierhaut und Wunden)
  • schleimlösend (Bronchitis und weitere Erkrankungen des Atemtrakts)

Cistrosen auf Pantelleria – ein Comeback

Bei der Aromareise auf die Vulkaninsel Pantelleria im Mai 2021 begegnen wir den heute unbekannt gewordenen Cistrosen der Aromatherapie: Cistus creticus und Cistus monspeliensis, die Montpellier-Cistrose.

Noch in den 90ern gab es Öle auch von ihnen im Handel. Die Ausbeute ist wesentlich geringer. Sie kleben kaum wie die Lack-Cistrose. Und das Klebrige ist schließlich das Harz, in dem sich das Öl sammelt. Vielleicht ist es diese geringere Ausbeute, die zum Rückzug ihres Angebots im Handel führte.

Cistus creticus

Es gibt einige Unterarten von ihr, u.a. jene, die in den bei Infektion und Immunschwäche bewährten Cystus-Produkten steckt. Alle Cistrosen wirken stabilisierend auf unser Immunsystem.

Cistus monspeliensis - Montpellier-Cistrose

Kleiner und vollkommen weiß sind ihre Blüten im Vergleich zur Lack-Cistrose. Cistrosenblüten sind immer nur kurz geöffnet und doch streift man in ihrer balsamischen Zeit stets an reich erblühten Sträuchern vorbei.

Standort mit Symbolcharakter

Als wir im Oktober 2020 zur 1. Aromareise auf Pantelleria waren, gelangten wir ins bedeutende Windpasstal. Dort thronten schon am Eingangspfad ganz viele Cistrosen – beide Arten – wie Wächterinnen. Selbst im Oktober konnte ich die Präsenz der Cistrosen wahrnehmen (zugegeben, andere nicht), ein balsamischer Schleier war um sie gelegt, der immer dann zu mir kam, wenn ich gerade nicht aktiv nach dem Duft forschte. Das war wirklich eigenartig, denn untersuchte ich diese Cistrosensträucher und suchte nach der Quelle des Duftes – ich konnte ihn nicht finden. Mysteriös. Auf eine solche Ebene muss man sich mit ihr ohnehin begeben. Schließlich wird man in eigene Mysterien eingeweiht, in die eigene Kraft, die irgendwo auf dem Wege verloren gegangen ist. Welch Symbolcharakter, dass sie nun ausgerechnet an einem Eingangsweg so üppig gedeiht. Wer dort Einlass sucht, der finde zuerst sich selbst wieder.

Auf der kommenden Aromareise vom 1.-8.5.2021 wollen wir die Cistrosen der Insel genauer kennenlernen und mit der Lack-Cistrose vergleichen. Wir wollen nachspüren, was die Cistrosen uns persönlich zeigen wollen, worauf sie ihr balsamisches Pflaster legen können. Wir werden sie sammeln und destillieren und die Endprodukte mit nach Hause nehmen. Und vielleicht werden wir dann zu Botschafterinnen, auf dass die Vielfalt der Cistrosen im Handel wieder zunimmt. Sie haben nämlich ganz eigene Stärken und sind in Zeiten, in denen unser Immunsystem verschiedentlich herausgefordert ist, unabdingbar geworden.

 

Auf facebook fand im Mai 2020 die virtuelle Aromareise auf Pantelleria statt. Dort führte uns Ines u. a. zu den Cistrosen. Hier könnt ihr das Cistrosen-Video anschauen.

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