Zur 2. Raunacht zog ich aus meinem vorbereiteten Set von 2×6 Düften unter dem Motto “Guter Duft – Böser Duft” die Zitronen-Verbene. Oh wie ich sie liebe! In ihren Duft einzutauchen war vielleicht wirklich ideal in der heutigen Raunacht, um endlich in die wohlverdiente Stille zu geraten. Nach meinem ersten Atemzug dachte ich sogleich: Oh, ob ich es schaffe, mich aus diesem stillen Raum wieder hinaus zu bewegen und den Artikel rechtzeitig zu schreiben?

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Zitronen-Verbene -Worte sind Schall und Rauch

Wie unwichtig können Worte sein. Ist es wirklich wichtig, vieles mitzuteilen? Das sind zentrale Muster dieses Duftes, der sich zitronig, metallisch, überhaupt nicht aufdringlich, sondern zaghaft, aber dann immer mehr und mehr den Weg ins Innere bahnt. Diese Zaghaftigkeit ist es, die unsere Abwehrmechanismen gar nicht erst aktivieren lässt. So dringt der Duft tiefer und tiefer und berührt schließlich Aspekte, die uns vielleicht höchst göttlich, höchst bedeutend und wahr, erscheinen.

Der Duft geht nach innen, nicht nach außen ins gesprochene Wort und so scheint er sich auch nicht um die äußere Unordnung seiner Namen zu kümmern, oder wie ist das Namenschaos zu verstehen?

Fälschlich noch immer unter “Eisenkraut” in Aromatherapie-Büchern gefunden, ist er auch unter “Echte Verbene” oder eben “Zitronen-Verbene” bekannt. Sein botanischer Name setzt das Durcheinander fort. Wahlweise kann man zwei verschiedene Gattungsnamen mit zwei verschiedenen Art-Epitheta verbinden. Aloysia citriodora, Lippia citriodora, Aloysia triphylla, Lippia triphylla. Alles geht und ist im gleichen Maße anerkannt.

Der Widerspruch wird schon hier deutlich: Eigentlich ist mit diesem Duft Ordnung angesagt. Jemand, der völlig vom Duft inspiriert ist, wird im Außen viel klären und ordnen. Steht gerade ein Hausputz kann, wird sich mit Zitronen-Verbene verbunden, viel leichter von Dingen befreit, als man es sich sonst trauen würde. Für Zitronen-Verbene zählt Raum, feinste Inspiration und Kommunikation über kleinste Nuancen. Da stören materielle Habseligkeiten nur.

Schenkt Ruhe bei psychosomatischen Stress-Krankheiten

Bei Ängsten, die sich anfühlen, als sei man verloren, die aus Überforderung und Vertrauensverlust, Vertrauen ins Leben und sich selbst resultieren, ist Zitronen-Verbene angezeigt. Sie spricht die dann oft gleichzeitig bestehende Schlafstörung und Erschöpfung an. Mit Zitronen-Verbene aktivieren wir unseren Parasympathikus, kommen endlich wieder in Ruhe. Gleichzeitig aktiviert der Parasympathikus auch das Verdauungssystem. Endlich ist Zeit zum Verdauen, kann geordnet, Raum geschaffen werden. Was kann ich wirklich gebrauchen, was kann weg? Es wird physisch verdaut, aber eben auch mental. Das nimmt die Hitze und den Druck heraus – also Entzündungen und Bluthochdruck.

Der Duft spricht die psychosomatische Komponente von vielen verschiedenen Erkrankungen an, Morbus Crohn (als entzündliche Darmerkrankung), Diabetes mellitus, Herzkranzgefäßentzündungen, Rheumatische Erkrankungen. Zitronen-Verbene wirkt tatsächlich entzündungshemmend und beruhigend, sowie stimulierend auf die Verdauungsorgane.

Wenn man bedenkt, wie sehr der Duft für Ordnung und Klärung im Außen sorgt, umso deutlicher wird vielleicht, warum er bei diesen Erkrankungen so hilft. Oftmals geben die Lebensumstände ein recht chaotisches Bild ab – zumindest, wenn es um die Frage geht: Und wo in deinem Leben bleibst du? Was ist es, was du willst?

Hormone im Gleichgewicht – und in voller Stärke

Zitronen-Verbene ist auch deshalb ein besonderer Duft für mich, weil sie auf all unsere Endhormondrüsen stimulierend wirkt. Hier kommt Diabetes mit dem Pankreas ins Spiel. Aber auch die Schilddrüse und die Gonaden (also Eierstöcke und Hoden) sowie unsere Nebennieren werden angeregt. Durch Dauerstress sind alle Hormondrüsen nämlich gern am hecheln. Nebenniereninsuffizienz ist vielleicht einigen ein Begriff, aber auch die anderen Hormondrüsen haben viel zu tun und vielleicht ist es einfach die Überlastung in allem, die zu deren Schwäche führt. Ich persönlich reagiere sehr fein mit meinem Hormonsystem. Stress geht bei mir tief, eben weil ich mich von inneren stillen Quellen nähre. Das ist einfach so. Zitronen-Verbene ist also eine gute Partnerin für mich.

Von der Ruhe im Inneren zur Schaffenskraft im Außen

Logisch, wenn ich weiß, was ich will und genug Kraft in der Ruhe gesammelt habe, kann ich vieles in der Außenwelt umsetzen. Im Einfluss der Zitronen-Verbene geht das sehr zielstrebig. Man lernt, nur so viel Kraft einzusetzen, wie nötig ist.

Manchmal ist es jedoch eine Menge Kraft, die zielgerichtet jedoch am besten wirken kann. So ist der Duft Hebammen bekannt, um die Geburtseinleitung zu unterstützen. Deshalb ist Zitronen-Verbene, so beruhigend sie auch sein mag, ein No-Go in der Schwangerschaft.

 

Ein “Psycho-Hinweis” an dieser Stelle: Welche Geburt kann in deinem Leben unterstützt werden? Welches Projekt ist reif genug, um das Licht der Öffentlichkeit zu erblicken? Sicher ein Frage, die außerhalb der Raunächte sinnvoller gestellt ist. Doch genau hierfür kann Zitronen-Verbene ebenso eingesetzt werden, wie für nervöse Erschöpfung, in der es erstmal nach innen zum Auftanken geht.

So lehrt uns der Duft althergebrachte Weisheiten: Hast du es eilig, geh langsam. Willst du viel Kraft, so gehe in die Ruhe.

Das Licht finden

Von Jürgen Trott-Tschepe ist der Duft im 3. Band seiner “Aromakunde: Kunst der Wahrnehmung” beschrieben. Ein Absatz fasst den Duft auf die schönste Weise:

“Wenn die Nacht am tiefsten, ist der Morgen am nächsten” – Verbena erahnt schon das Licht, wo noch kein andrer es erkennt. Verbena macht im Innern sehend, es ist wie ein Hellsehen. (S. 94)

So ist der Duft ein willkommener Impuls in den Raunächten, die nach dem Licht suchen. Es wird innen entzündet und dann im Außen wiederentdeckt.

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