Einmal wieder war ich im Bann der feinen Blüten – und einmal wieder habe ich für’s nächste Mal viel gelernt, um es besser zu machen. Die Destillation der Lindenblüten ist ganz allgemein aber ein großer Gewinn für uns: Ätherisches Öl gibt es klassisch nur in Co-Destillationen mit z.B. Copaibaharz oder als CO2-Extrakt. Der Duft vermittelt in der hohen Konzentration eine sonderbare Schwere, die jedoch durch reichliches Verdünnen wieder weicht. Den authentischen Lindenblütenduft erfasst man jedoch nur im Hydrolat. Gut, dass wir das selbst herstellen können.

GeLinde gesagt

Die Linde hat sich in unseren Sprachgebrauch mehr als eingeschlichen und alles Milde, Linde, Sanfte bezieht sich auf sie. Das zeigt uns mal wieder: Als wir noch engeren Kontakt mit den Pflanzen pflegten, kannten wir auch ihren ganzheitlichen Ausdruck und damit ihre geistigen Wirkungen besser. Ja, alles wird getröstet und gelindert mit ihr.

Die Linde war früher der Dorfmittelpunkt. Sie stand in der Mitte des Dorfplatzes und war Ort der Feste (Tanzlinde), Hochzeiten und öffentlicher Urteilssprechungen (Gerichtslinde). Ein Urteil, unter der Linde ausgesprochen, galt als sanftmütiger als das der ernsteren Eiche.

Ein Baum – eine Gemeinschaft

Doch ist die Linde mehr als nur stille Beobachterin der Dorfgemeinschaft. Sie ist Gemeinschaft. Zwei Lindenbäume, nahe beieinander gepflanzt, können alsbald nicht mehr getrennt werden. Man kann ab einem bestimmten Punkt nicht mehr ausmachen, ob es mal zwei Bäume waren oder ob sich nur der Stamm teilte. Die Linden wachsen sowohl in den Baumkronen zusammen als auch im Wurzelgeflecht.

Das ist ein Bild, das wir uns merken können, wenn wir die geistige Wirkung der Linde bedenken: Sie lässt zusammen wachsen. Paare (Hochzeitslinde), Familien, Gemeinschaften.

Das gelingt ihr aus einem besonderen Grunde: Sie lässt uns auf das Positive in Begegnungen und Beziehungen fokussieren: Was haben wir gemeinsam? Was verbindet uns? Darauf bauen wir auf!

Ferner wird es mit ihr möglich, auch Unterschiede unter dem Dach der Gemeinsamkeiten zu würdigen: Wir sehen uns unter ihrem Einfluss ganz anders um und können jeden Teil der Gemeinschaft in seiner Kraft wertschätzen. Kein Konkurrenzgedanke, kein Herabsetzen – jede*r ist wichtiger Teil.

Destillation der Linde

Zugegeben, die Beschreibung der Destillation klang bei Susanne Fischer-Rizzi im „Große[n] Buch der Pflanzenwässer“ fein gespickt mit Warnungen. Lindenblüten können frisch oder getrocknet destilliert werden, enthalten aber Saponine. Saponine sind Seifenstoffe. Im Zweifel schäumt es, klebt es und wir wiederholen den Nervenkitzel von der Destillation mit Lavendel. So war ich dann vorsichtig dabei, wie viel Pflanzengut ich in den Kolben gebe.

Die Hinweise zogen sich weiter: Der Duft würde sich öfter ändern. Hm, auf zur Duftreise, dachte ich.

Jede Pflanze braucht ihre eigene Vorbereitung

Anfänglich gilt es, die Lindenblüten mit heißem Wasser zu übergießen und so – mit Stopfen oben drauf – eine halbe Stunde zunächst ziehen zu lassen. Das Wasser färbte sich wie bei einem überstarken Tee, Lindenblütentee eben.

Danach geht es dafür relativ fix. Schon als ich den Kühler aufsetzte, legte sich Wasserdampf an dessen Rand. Nachdem die Kerzen unter dem Kolben entzündet wurden, dauerte es nicht mehr lang und der erste Tropfen sammelte sich im gekühlten Rohr. 

Die Duftreise – anders als gedacht

Ich stellte meine Nasenflügel auf und nährte mich dem Auffangglas. Lecker… welch duftender Tropfen, nach feinem Kräutertee, mir entgegenrollte. Unerwartet kräuterig sogar. Das lieblich Milde der Linde ließ sich vermissen. Dennoch wurde das Gläschen überhoben auf den Meister der Transformation und die Linde selbst. Alsbald stellte sich ein geregeltes Tropfen ein.

Wieder nahm ich eine Nase und – ah – da war sie, die Note nach Milde, nach feinster Süße huschte kurz an mir vorbei und war ganz schnell wieder verschwunden. Das Wasser beseelte und besänftigte mich nun einfach und tiefgreifend. Nicht so erquickend wie die Quitte, sondern ganz ruhig und voller Zufriedenheit.

Meine Bedenken etwaiger Schäumung oder Verklebung stellten sich nicht ein. Es bewegte sich alles leicht im Kolben. So langsam und langsam wurde es wohl heißer, mehr Siedeblasen entstanden, das Pflanzengut kam mehr zusammen und wurde immer wieder von den aufsteigenden Blasen aufgelöst.

Von Heu bis Schwefel

Da veränderte sich der Duft schon wieder. Lange roch es nun heuartig, bis schließlich… Aber das konnte doch noch nicht sein, denn es sammelten sich doch kaum 15 mL Hydrolat im Auffangbehälter… der Duft sich wendete. Schweflig war es! Wirklich! Und dann verschwand auch gleich das Hohe vom Schwefel und es roch nach…

Der Duft nahm mich auf Reisen. Ich war im Hallenbad, nein im Freibad, als Kind. Der entfernte Odor des Chlors hing in der Luft, doch ich lag – Nase an Halm – im Gras, erfüllt von kindlicher Freiheit der Sommerferien.

Zurück im Hier und Jetzt schenkte ich der Stinkenote also den Zweifel, ob ich nun schon beim Pups des Drachens angekommen wäre. Ich schnupperte und schnupperte. Das Chlorbad kam wieder und wieder. Aber irgendwie… Besser wurde es nicht mehr. So pustete ich die Teelichter aus.

Beim nächsten Mal achte ich darauf, dass es im Kolben mit den Lindenblüten nicht kocht! Die Duftstoffe sind so fein und zart (die Linde ist eben so), dass sie schon mit dem Dampf mitgehen, der ab 70° C aufsteigt. Milde für die Milde.

Empfindliches Hydrolat

Zur längeren Haltbarkeit sollte auch Lindenblütenhydrolat durch die Nutsche abfiltriert werden – Schwebteile könnten die Haltbarkeit verringern. Es kann 1 Jahr haltbar sein.

Aus eigener Erfahrung mit bisher gekauftem Lindenblütenhydrolat kann ich berichten, dass jenes Pflanzenwasser wohl am empfindlichsten auf Elektrosmog und andere Störfelder reagiert. Dann kippt der Geruch Richtung Essig. Steht es eine Weile wieder an einem harmonischen Ort, erholt es sich wieder. Es bietet sich also an, in Violettglas aufzubewahren (das schirmt Störfelder ab).

Zu den Raunächten gehört es zu Raunen, etwas divinatorisch zu wirken. Ihr ahnt, das Orakeln zu Silvester ist nur ein Überbleibsel aus der gesamten Raunachtszeit. Die 4. Raunacht steht für den April. Ich ziehe gern Tarotkarten in der Zeit. Aber ihr könnt auch aus den verschiedenen Pflanzenkartensets einen Duftbegleiter für die Zeit ziehen. Ein solches Set könnt ihr hier gewinnen:

Mitmachen und gewinnen!

Bei jedem Rätsel könnt ihr mitmachen. Wer richtig liegt, wird in die Auslosung am 6. Januar genommen. Wer 12 x richtig liegt, steht auch 12 x in der Liste! Beachtet jedoch, dass jede/r nur einmal pro Rätsel mitmachen kann. Mehrmalige Teilnahmen unter verschiedenen Angaben sind nicht fair und führen zum Ausschluss für das gesamte Gewinnspiel. Einsendeschluss für dieses Raunachtsrätsel ist der 28.12.18 um 18 Uhr. Alle im Zuge des Rätsels eingesandten und gespeicherten Daten werden umgehend nach der Verlosung gelöscht und nur für die Verlosung selbst genutzt.

Gewinnen könnt ihr eines
meiner Kartensets „Duftimpulse 1„:

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Rätselfrage

Linden waren nicht nur mit Gemeinschaften verbunden. Dörfer hatten auch ihre Stammesfamilien. In einem Dorf gab es 3 solcher Familien, die allesamt nach der dreistämmigen Linde im Dorf benannt wurden. Sie lauteten Tiliander (die Linde trägt den botanischen Gattungsnamen Tilia), Lindelius und …. ??? Aus der gesuchten Familie entstammt ein berühmter Botaniker. Schaut mal nach, ob ihr die Antwort findet und lasst euch von der Geschichte zu der dreistämmigen Linde ins Staunen versetzen.

 

Die Antwort:

 

So einfach war das nicht zu finden – erst recht nicht die ganze Sage. Und dennoch haben es so einige gewusst:

 

Besonders in Schweden gab es die Tradition, sich nach Bäumen zu benennen und sich damit mit ihnen zu verbinden. Im schwedischen Jonsboda benannten sich die 3 Gelehrtenfamilien Lindelius, Tiliander und Linnaeus nach der dreistämmigen Linde im Ort. Die Sage geht so, dass mit dem Aussterben der Familie Lindelius einer der Hauptäste der gewachsenen Linde vertrocknete. Der zweite Hauptast stellte seinen Blättertrieb ein, als die Tochter von Karl Linnaeus starb. Mit dem Tod des letzten Tilianders, starb der ganze Baum. Karl Linnaeus ist kein anderer als Carl von Linné, dem wir die heutige botanische Nomenklatur zu verdanken haben – durch seinen Mut, entgegen dem kirchlichen Gegenwind, eine Klassifikation aufgrund der Sexualstruktur der Pflanzen zu entwickeln. An allen Ecken und Enden finden sich interessante Geschichten…

 

(Ich habe all eure Antworten gelten lassen, die entweder Linnaeus oder Linné benennen.)

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