Gänseblümchen sind der Inbegriff alles Leichten und Fröhlichen in der Kindheit. Seine Zartheit ist in der Pflanzenheilkunde ebenso gewürdigt. Es findet Verwendung bei kleinen Hautverletzungen und Schürfwunden – all den Häufigkeiten, wenn Kinder frei spielen und toben dürfen. Auch ist es für seine blutreinigende und leicht schleimlösende Wirkung bekannt in Teerezepturen.

Von unserer Gänseblümchen-Wiese im Hof habe ich mich zum Destillieren inspirieren lassen und einen Dufttest bei meinen Katzen gestartet. Um den sinnvollen Einsatz des Gänseblümchens zu erfahren, habe ich zudem sein psycho-aromatherapeutisches Potential, also sein Thema, erarbeitet. So lasst euch bezaubern und taucht mit diesem zauberhaften Blümelein in eure Kindheit ein.

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Gänseblümchen – Duftpflanze?

Das Gänseblümchen, Bellis perennis, zählt zu jenen Pflanzen, die uns nicht als Duftpflanzen auffallen, die aber dennoch eine gewisse Menge ätherisches Öl bilden. Dies genügt zwar nicht, um dieses alleinig zu gewinnen, wohl aber um ein Pflanzenwasser zu destillieren. Die Menge ist dabei so gering, dass das Gänseblümchen-Hydrolat kaum riecht und auch die Haltbarkeit nicht lang gegeben ist. Bei Susanne Fischer-Rizzi findet sich der Erfahrungsbereich von max ½ Jahr (Fischer-Rizzi: Das große Buch der Pflanzenwässer*).

Zum Glück hat das Gänseblümchen einen ziemlich langen Blütezeitraum in unseren Breitengraden. Selbst zwischen Schnee lugt manchmal noch ein Blütenkopf hervor. So ist das Hydrolat, vorausgesetzt man destilliert es selbst, dann doch das ganze Jahr über nutzbar, weil man immer wieder erneut ein Wasser ansetzen kann. Im Handel findet sich das Pflanzenwasser aus diesen Gründen aber nicht.

Hoch-Zeit der Heilkräuter & bester Erntezeitpunkt

Die Mitte der Sonnenjahreshälfte, also die Sommersonnenwende, ist die Hoch-Zeit für viele heilkräftige Kräuter. So gehört auch das Gänseblümchen zu diesem Bunde, das hier eine besonders starke Kraft entfalten soll. Wer auf die Mondzyklen blickt, kann auch hier nochmals Verstärkung einholen. Mit dem zunehmenden Mond im Krebs geht das Gänseblümchen besonders in Resonanz, sodass dies eine traditionell gute Erntezeit ist (entdeckt bei Margret Madejski: Das Lexikon der Frauenkräuter*).

In der steten Hoffnung, dass die Gartenpflegefirma die Wiese nicht schon vorher mäht, habe ich zwei Wochen auf einen solchen Mond-Tag gewartet und eifrig die voll-geöffneten sonnenbeschienenen Blüten samt Stängel gepflückt.

In der Tier-Aromatherapie Gruppe auf facebook waren die Inhaltsstoffe des Gänseblümchens jüngst Thema und ich fand eine interessante Studie, welche die Inhaltsstoffe des ätherischen Öls im Gänseblümchen in den verschiedenen Pflanzenteilen gegenüberstellt. So wusste ich noch grob, dass in allen Teilen ätherisches Öl zu finden ist. An eine weitere Geschichte erinnerte ich mich während des Pflückens: Wenn das Gänseblümchen abgemäht wird, wächst alsbald wieder ein Stängel mit Blüte nach. Nur nicht wieder so hoch, sondern etwas niedriger. Als lerne es, sich in gewissen Grenzen zu bewegen.

Achtung Schaumbad – Kindliche Freude im Destillierkolben

Dieses Lernen der Grenzen taucht dann beim Destillieren wieder auf. Es ist nicht ratsam, eine Destillation allein zu lassen. Beim Gänseblümchen noch weniger. Man sollte immer ein wachsames Auge darauf haben, wie auch auf so manch tobende Kinder.

Denn in Gänseblümchen stecken Saponine, Seifenstoffe, die leicht emulgierende Eigenschaften haben, antibakteriell und antimykotisch sind (gegen Bakterien und Pilze wirksam), schleimlösend und entzündungshemmend sein können. (Das Wirkprofil des Gänseblümchen spiegelt sich hier sehr gut wieder.). Und sie schäumen gut, wenn die Siedebläschen im Kolben aufsteigen, sodass man besser nicht zu heiß und eben niemals unbeaufsichtigt destilliert.

Mit dieser Vorwarnung wagte ich mich ins Abenteuer. Mit 33 Grad Celsius im Schatten wusste ich zwar auf den Merkur mit einem Likör on the rocks anzustoßen, aber meine Konzentration war angeknackst und es schäumte leider tatsächlich ein paar Mal hoch in den Auslauf.

Der Schaum, kaum merklich, nahm sogar sichtbare Pflanzenstücke mit. Ich filtrierte letztlich zwar über eine Nutsche ab, doch lässt sich selbst im Fläschchen eine oben aufliegende Schicht Saponine nicht verstecken.

Der pH Test zeigte mir schließlich einen pH Wert von 6,5 an. Bei Susanne Fischer-Rizzi ist der Erfahrungswert von 3,2-3,6 angegeben. Da liegen Welten dazwischen und die Haltbarkeit ist dementsprechend nicht mehr gegeben. Ich werde es schnell verbrauchen.

Was die Katzen dazu sagen

Unter diesem Vorbehalt galt nun meine Erfahrung mit Katzen. Ich dachte mir, mit einem Teeaufguss hätten wir die Stoffe auch dabei. Und in der Tat: 2 von 3 Katern fanden das Hydrolat auf meinen langsam auf sie zusteuernden Fingern so angenehm, dass sie es sogar einmal ableckten. Es ist definitiv ein Wässerchen, mit dem Katzen etwas anfangen können, sodass es für Indikationen wie kleine Hautverletzungen gerne zum Einsatz kommen kann.

Die Blessuren des Inneren Kindes

All die Begriffe, mit denen wir schon gewohnt sind, das Gänseblümchen in seiner körperlichen Indikation, also bei Haut- und Stoßverletzungen, zu beschreiben, tauchen auch psycho-aromatherapeutisch wieder auf.

Es weckt in uns den neugierigen und ganz im Spiel aufgegangenen Aspekt des Inneren Kindes. Der Fokus auf das spielerische Erleben, das uns so manche umgebende Realität vergessen lässt, ist etwas zutiefst Wichtiges. Wenn dies verletzt wird, trägt es Wunden, die sich durch die gesamte Biografie ziehen.

Dabei ist es nur natürlich, beim Toben eine Schürfwunde oder einen Stoß abzubekommen. Physisch, aber genauso passiert dies auch emotional.

Wurden wir dann in Geborgenheit und mit dem Gefühl von Getragensein aufgefangen? Von uns selbst, unseren Eltern, jenen, die uns Fürsorge versprachen? Das Gänseblümchen spricht damit einen wichtigen Faktor des Urvertrauens an. Und es reicht jenen die Hand, dessen Urvertrauen auf dieser kindlichen Ebene genommen wurde. Das können auch schwerwiegendere Übergriffe sein, die noch lange aufgearbeitet werden müssen.

In Resonanz geht des Gänseblümchen also mit dem kindlichen Spiel. Das gibt es bei Menschen wie auch Katzen und anderen Tieren – es verbindet uns alle. Ich werde das Gänseblümchen wohl bald mal wieder destillieren, um genauer aufzupassen und die Saponine zu zäumen. Wer weiß, welche Erfahrungen ich dann noch mit ihm sammeln kann – neugierig und bereit fürs spielerische Entdecken bin ich auf jeden Fall.

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