Psycho-Aromatherapie arbeitet therapeutisch mit ätherischen Ölen, Duft-Extrakten und Hydrolaten, um mentales und emotionales Wohlbefinden zu inspirieren. Dabei kommen Düfte sowohl zur Prävention, aber auch zur Linderung und Heilung von psychiatrischen Erkrankungen und folgender Stabilisierung zum Einsatz. Ein ganz großes Ass hat die Psycho-Aromatherapie dabei im Ärmel: Sie arbeitet u.a. mit dem Geruchssinn, der als einziger Sinn unseres Körpers schon Reaktionen im Gehirn auslöst, bevor wir überhaupt merken, dass wir etwas riechen.

Der anrüchige Sinn

Das faszinierte Aromatherapeutinnen schon immer. Der Geruchssinn ist der schnellste unserer Sinne. Und er ist direkt mit dem Emotional- und Erinnerungszentrum des Gehirns verbunden. Eine Steilvorlage für eine psychotherapeutisch ausgerichtete Aromatherapie könnte man meinen, aber diese ist noch ein ganz offenes freies junges Feld.

Lange Zeit war es für die Wissenschaft einfach nur anrüchig, sich mit einem Sinn zu beschäftigen, der für die Wahrnehmung von Fäkalien, Buttersäure und Sexuallockstoffen verantwortlich ist.

Aromatherapie außerhalb der Psyche

So fand Aromatherapie lange außerhalb des Körpers in Petrischalen oder in der Untersuchung ganz anderer körperlicher Wirkungen statt. Die klassische Aromatherapie konnte sich daher schon gut in Laboren beweisen. Wirkungen gegen Bakterien wurden seriell nachgewiesen. Schmerzstillung zeigt sich an Rezeptoraktivitäten und auch empirisch. Dank der Forschung von Prof. Dr. Hanns Hatt und seinem Team wissen wir mittlerweile, dass jede Körperzelle Rezeptoren für Duftstoffe hat und jene im kranken oder gesunden Zellzustand anders reagieren.

Die große neue Hoffnung der Krebstherapie. Während im Labor aber wiederum mit isolierten Stoffen gearbeitet und getestet wird, mahnen wir Aromatherapeutinnen die Ganzheitlichkeit der Pflanzendüfte an. Hierin liegt Weisheit. Und das, was die Psycho-Aromatherapie mitzuteilen hat, kann vielleicht ganz entscheidend in der Auswahl der Düfte auch bei Krebs sein.

Studien zu Düften & Ängsten

Es gibt dennoch schon grundlegende Studien. Studien, die uns zeigen, dass bei Angststörungen ein Gewebeschwund im limbischen System und angrenzenden Gebieten zu verzeichnen istoder dass Angstpatienten Gerüche viel extremer wahrnehmen. Auch konnte dokumentiert werden, dass Angst und Depression auf Dauer zu strukturellen Veränderungen im Gehirn führen. Der Riechkolben wird dabei z.B. weniger durchlässig für Reize aus der Riechschleimhaut und die Riechzelldichte nimmt ab. Das ist übrigens reversibel!

Interessant oder? Da ist der Zusammenhang nämlich schon. Viele weitere solcher Hinweise existieren und sind es daher wert in einer grundständigen Ausbildung zur Psycho-Aromatherapie angeschaut zu werden.

Wem hilft Psycho-Aromatherapie?

Niemandem hilft immer alles. Psycho-Aromatherapie bewegt dort am meisten, wo sie auf Menschen trifft, die mit ihren Sinnen arbeiten können oder möchten. (In der klassischen Aromatherapie wird auch bei Anosmie, also dem Verlust des Geruchssinns, mit ätherischen Ölen erfolgreich behandelt, da ja wie geschrieben jede Körperzelle über Duftrezeptoren verfügt. Psycho-Aromatherapie erschafft ihren Reiz, ihre Freuden und Motivation, ja auch ihre Diagnostik, durch das aktive Riechen. Das macht den Zugang beim Vorliegen von Anosmie schwieriger. Bei reversibler Hyposmie, also einem geringeren Riechvermögen als „normal“, ist es aber wiederum sehr spannend, weil Klienten auch an ihrer Wahrnehmung aktiv Veränderung sehen und die gleichen Zentren im Gehirn angesprochen werden, die mit psychiatrischen Diagnosen in Verbindung stehen.)

Viele meiner Klienten kommen in die Praxis, weil sie sich von Düften angesprochen fühlen. Einige empfanden die Idee, mit Düften in Entspannung und so in Erholung ihrer psychischen Stressprobleme zu kommen, sehr interessant und probierten es aus. Davon blieben bisher alle dabei, weil sie von den Düften und ihrem Wohlbefinden dabei absolut begeistert sind. Die wenigsten kannten eine andere Form von Aromatherapie bereits und finden den psycho-aromatherapeutischen Ansatz sehr sinnvoll und stimmig für sich selbst.

Psycho-Aromatherapie hilft deutlich, um die eigenen Kraftquellen zu finden. Sie hilft zu differenzieren, was im Alltag gut tut und unterstützt werden darf oder was endlich losgelassen werden sollte. Sie macht uns wieder mit Anteilen in uns vertraut, die wir lange nicht gelebt haben und deren Unterdrückung uns in schwierige Situationen gebracht haben. So ist sie sehr wirkungsvoll in Lebenskrisen, sei es davor, dabei, danach. Depressionen, selbst schwere, können mit Düften sehr gut begleitet und zum Ausheilen gebracht werden. Unsicherheiten und Ängste sind immer wieder Thema und finden ihren Ausgleich in immer wieder anderen Düften.

Wie sieht Psycho-Aromatherapie genau aus?

Psycho-Aromatherapie bedient sich dem zweiten Arm der Grundlage heutigen Pflanzenwissens: Der Erfahrung. Sowohl Überlieferungen sind interessant, als auch aktuelle Erfahrungsforschung. Wir brechen ein wenig mit den Dogmen und sprechen nicht der einen Strömung alle Aufmerksamkeit zu.

Den richtigen Duft finden

Wir treffen uns z.B. in Gruppen und finden die immer wieder gleichen psychischen Wirkungen heraus. Oder wir gehen auf verschiedene Weisen in die Kommunikation mit Pflanzen. Wir lehren uns dies gegenseitig und unseren Klientinnen und Klienten. Das beginnt schon mit dem ersten Riechen der vorausgewählten ätherischen Öle. Denn wir fragen nicht nur, ob der Duft angenehm ist, sondern wir lassen Raum zum Spüren. Unsere Klienten gehen so in eine Kommunikation mit dem Duft und sich selbst. 

Sie erkennen einen Resonanzkörper in sich und sie führen tatsächlich non-verbal ein Gespräch, bei dem wir Psycho-Aromatherapeutinnen wachsam sind und unserer eigenen Intuition lauschen. Ist es der richtige Impuls? Manche Klientinnen spüren mehr als andere, sind schon offen für innere Räume. Andere sind noch dabei, sie zu entdecken. Die Bewegung der Düfte dürfen wir Therapeuten dann wahrnehmen. So kommen wir zu einem oder zwei, selten auch mal drei Düften, die sich in der Sitzung dann anwenden lassen.

Anwendungen der Psycho-Aromatherapie

Die Teilmassage wende ich persönlich sehr häufig an. Ruhige fließende Massagen oder gar rhythmische Einreibungen nach Ida Wegman sind für sich selbst ein Mittel, in tiefe Entspannung, Harmonisierung und zur Aktivierung der Selbstheilung zu kommen. Doch es gibt vieles mehr. Wir schöpfen aus den Anwendungen der klassischen Aromatherapie, z.B. mit Bädern und Wickeln. Und wir ergänzen mit Methoden der spirituellen Psychotherapie, achtsamer Wahrnehmung, Duftmeditation. Auch die kreative Therapie rückt immer mehr in den Vordergrund. Sie ist deshalb so wertvoll, weil sie schon in einige Kliniken einzieht und Düfte mit ihr in jeder Weise verbunden werden können.

Vielfalt ohne Schema F

So bietet die Psycho-Aromatherapie einerseits einen Weg, allein mit ihr zu arbeiten oder in Kombination mit anderen Therapien. Im Kern stehen immer Klientin und in Resonanz gehende Düfte. Die Auswahl ist die Kunst; sowohl die Vorauswahl, als auch die Begleitung des Klienten im Duft. Um diese zu ermöglichen, sind ganz eigene Erfahrungen mit den Düften und Pflanzen nötig. Es gilt, die Themen der Pflanzen, das was sie in uns inspirieren und anklingen lassen, zu verinnerlichen. Der Zusammenhang Körper – Geist – Seele ist dabei sehr wichtig. Körperliche Symptome stehen immer auch mit dem psychischen Erleben in Zusammenhang. Dieser hilft auch in der Duftauswahl auf die Sprünge. Letztlich aber ist die Haltung als Psycho-Aromatherapeuten der Schlüssel: Offen, neugierig, für Wunder bereit. Denn jede Klientin ist eine neue Vielfalt, die mit der Vielfalt der Düfte neue Wege geht. Daher lassen wir Schemata hinter uns, sobald wir auf einer soliden Basis der Erfahrung stehen. Dort beginnt dann das stete Wunder des Lebens.

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