Zitrusdüfte werden zu allermeist in der Kaltpressung gewonnen. Klassischerweise werden sie alle nicht destilliert und so fällt auch kein Hydrolat an. Destillierte, als echte ätherische Öle, von Zitrusdüften gibt es aber sehr wohl im Handel. Sie riechen leicht anders und zeichnen sich auch dadurch aus, keine lichtsensibilisierenden Furocoumarine (oder so gut wie keine) mehr im Öl zu haben. Von Vorteil für die Kosmetikindustrie, der so weltfremde Auflagen im Furcocoumarin-Anteil des Endprodukts gestellt werden. Hydrolate der Zitrusfrüchte – und zwar aus den Schalen – findet man hingegen kaum. Dafür sind sie umso leichter selbst herzustellen.

Liebling aller Welt

Orange ist weltweit der beliebteste Duft. Es gibt kulturell immer mal leichte Unterschiede bei Düften, die wir sonst super angenehm finden. Bei Orange aber sind sich alle einig.

Jetzt zur Winterzeit ist sie wohl in vielen Haushalten präsent. Sie ist die traditionelle Frucht der Weihnachtszeit, Zitrusfrüchte haben jetzt ihre Hochsaison und die Schale ist jetzt besonders reich an ätherischen Ölen.

Orange, die Optimistin

Das Geheimnis ihrer Beliebtheit ist ihr unglaublich optimistischer Charme. Emotional wie mental stimmt uns ihr Duft auf die positiven Aspekte aktueller Gedanken, Situationen und Rückblicke ein.

Ein Erlebnis kann wirklich ärgerlich gewesen sein, tiefe Enttäuschungen und Verletzungen hinterlassen haben, aber die Zeit heilt alle Wunden, heißt es. Orange hilft dabei nach. Sich zum „Schwamm drüber“ aufraffen zu können, bedarf manchmal ordentlich Anschub. So fragt uns der Duft der Orangenschale, ob es nun soweit ist.

Denn eigentlich gibt es ja nur Hier und Jetzt. Und Hier und Jetzt ist eigentlich alles ziemlich ok. Orangenschale ist eines der Düfte, die uns ganz in dieses Gefühl bringen. Schon interessant, wie es uns zur Weihnachtszeit kaum besser treffen könnte, als die Orange überall zuhause zu haben. Denn auch jetzt interessiert wenig was war, wenig was sein wird, sondern hauptsächlich der Moment.

Destillation der Orangenschale

Dass es die Schalen von Bio-Orangen sein müssen, ist ja klar. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass wir auch hier keine Pestizidreste wollen, aber auch keine versiegelnden Wachse (meist ohnehin nicht vegan), die heute fast durchweg bei allen konventionellen Orangen zu finden sind. Die Schale lässt sich am besten mit einem Sparschäler in idealer Dicke abschälen. Vom Weißen der Schale brauchen wir nichts – die prallgefüllten Öldrüsen, die man auf der Orangenschale so grobporig sieht, sind unser Begehr.

Die Schale einer großen Bio-Orange landete gemeinsam mit Quellwasser in meinem Destillationskolben. Das Gefühl war schon jetzt deutlich: Es wird eine leichte, tanzende Destillation. Da wir schon im Destillationskurs bei Susanne Fischer-Rizzi Orangenschale destillierten, fühlte ich mich recht optimistisch, dass alles rund laufen würde.

Nur mit dem Duft war ich mir schließlich unsicher. Die ersten Tropfen ließen das Gesicht erstrahlen. So riecht Orange! Es häuften sich sogar einige Tröpfchen ätherischen Öles auf der Hydrolatoberfläche an. Der Duft veränderte sich und obwohl ich die Hitze immer gut regulierte, roch es zunehmend brenzlig. Daran konnte ich mich aus dem Kurs nicht erinnern – aber die Sinne sind unterwegs und bei solchen Veranstaltungen ohnehin schon überflutet.

Ich musste die Orangenschalen-Destillation daher vollkommen neu kennenlernen. So destillierte ich noch eine Zeitlang weiter. Es war nicht unangenehm, aber das Brenzlige schwand nicht. Ich machte solange weiter, bis das gesamte Hydrolat so roch, nicht nur das frisch Heraustropfende und brach dann ab.

 

Das Bild des Kolbens erinnerte mich immer wieder an unsere unglaublich starke Sonne. Wir haben nicht nur milden Sonnenschein und wenn wir den Stern mit einem Teleskop fotografieren, offenbaren sich mehr als brenzlige Gewalten.

Hier noch eine bildliche Anmerkung: Wenn der Kolben zu tief hängt, gibt es Ruß. Ruß lässt Hitze wesentlich schwerer durchkommen. Dafür kann man mit Ruß Tinte herstellen  (unsere ältesten bekannten Tinten seit 3. v.u.Z.) oder – da besteht ganz freie Wahl – den Korkring zum Halten des Kolbens nachhaltig beflecken *hmpfgrbl* Also lieber gleich mit einem Tuch vom Kolben wischen.

Reifezeit der Harmonie

Fast 30 mL Hydrolat kamen heraus und ich hoffe auf ein sanftes Abrunden und Schwinden der unharmonischen Noten des Pflanzenwasser während der Reife. Zum Glück schreibt auch Susanne Fischer-Rizzi in ihrem Buch von der Reifezeit und dass der Duft harmonischer wird. In gewisser Hinsicht ist es bezeichnend: Die Orange lehrt uns auch mit dieser längeren Reifezeit über Ecken und Kanten hinweg zu sehen. Mit ihr wird alles rund, dreht sich alles im Kreis, verbindet sich, sammelt sich, im Hier und Jetzt. Aber selbstverständlich ist das ein Prozess! Nur, weil uns jemand sagt „Lebe im Hier und Jetzt – das ist gesünder!“ geht das nicht auf Anhieb und erst recht nicht nachhaltig. Es ist ein Prozess, des Lernens, des Erfahrens, des Befreiens, des Akzeptierens, des Loslassens… Und dann wird alles ganz harmonisch, so wie (so hoffe ich) der Duft des Hydrolats.

Zu den Raunächten gehört es zu Raunen, etwas divinatorisch zu wirken. Ihr ahnt, das Orakeln zu Silvester ist nur ein Überbleibsel aus der gesamten Raunachtszeit. Die 1. Raunacht steht für den Juni. Ich ziehe gern Tarotkarten in der Zeit. Aber ihr könnt auch aus den verschiedenen Pflanzenkartensets einen Duftbegleiter für die Zeit ziehen. Ein solches Set könnt ihr hier gewinnen:

Mitmachen und gewinnen!

Bei jedem Rätsel könnt ihr mitmachen. Wer richtig liegt, wird in die Auslosung am 6. Januar genommen. Wer 12 x richtig liegt, steht auch 12 x in der Liste! Beachtet jedoch, dass jede/r nur einmal pro Rätsel mitmachen kann. Mehrmalige Teilnahmen unter verschiedenen Angaben sind nicht fair und führen zum Ausschluss für das gesamte Gewinnspiel. Einsendeschluss für dieses Raunachtsrätsel ist der 30.12.18 um 18 Uhr. Alle im Zuge des Rätsels eingesandten und gespeicherten Daten werden umgehend nach der Verlosung gelöscht und nur für die Verlosung selbst genutzt.

Gewinnen könnt ihr eines meiner
Kartensets „Duftimpulse 1„:

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Rätselfrage

In welchem (heutigen) Land haben wahrscheinlich alle Zitrusfrüchte der Welt ihren eigentlich Ursprung, auf den auch der botanische Name der Süßen Orange, Citrus sinensis, hinweist?

 

Die Antwort:

Ich erinnere mich noch, wie mein eigenes Aha-Erlebnis von statten ging und versuche es jetzt mal bei jenen unter euch, die es noch nicht wussten, zu rekonstruieren:

Orange, auch Apfelsine, Citrus sinensis (kann man sich schon mal gut merken). Im Art-Epitheton des botanischen Namens stecken ja oft Beschreibungen z.B. auch von Herkünften. sinensis nun von Sina/China. Der aus China kommende Apfel. Somit war China in der Antwort gesucht. All jene, die sich nicht geopolitisch festlegen wollten (weil dies auch Pflanzen selten machen) und Südostasien etc. schrieben, bekommen selbstverständlich auch ihr Los. Der botanische Name der Süßen Orange wird euch jetzt bestimmt immer in Erinnerung bleiben, oder?

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