Der Ester der Salicylsäure, Methylsalicylat, ist ein seltener Inhaltsstoff in ätherischen Ölen. Wenn er vorkommt, kann er sogar fast ausschließlich vorkommen. Während Nordamerika den Geschmack liebt (da kommen die Pflanzen schließlich auch her), hat Europa damit so seine Probleme. Dafür führte eine Entdeckung in Leipzig zu recht intensiver Nutzung des Stoffes – und nein, Aspirin meine ich jetzt nicht.

Methylsalicylat – Gehalte in ätherischen Ölen

Methylsalicylat macht keine halben Sachen. Ganz oder gar nicht scheint seine Devise. Naja, ganz so ist es nicht und das wird uns überraschen. In unseren üblichen Bekannten steckt richtig viel:

  • In Wintergrünöl macht es 90 % aus.
  • In Birkenöl stecken bis zu 99,57 %. Meist werden 90 – 98 % angegeben.

Aber auch betörende Blütendüfte können den Stoff enthalten

  • Tuberosenabsolue enthält ihn durchaus zu 10 %,
  • Jasminabsolue zu 1 %,
  • Ylang-Ylang-Öl zu 0,5 %.

Es gibt zudem eine ganze Liste von ätherischen Ölen, die den Stoff im 0,0x % Bereich enthalten (Lorbeer, Petitgrain, auch in Rose kann es vorkommen).

Ein Stoff aus Nordamerika

Bei Methylsalicylat denken wir eigentlich immer an Wintergrün (Gaultheria procumbens) und die Birke. Beide kommen aus Nordamerika.

Moment, Birke ist doch bei uns heimisch! Die Hänge-Birke, Betula pendula, ja, die mit ihrer weißen Rinde für einen ganz besonderen Inhaltsstoff (nicht aroma-relevant) spricht, der Betulinsäure.

Jedoch wird aus der Betula lenta (Zucker-Birke) in Nordamerika das Methylsalicylat-reiche Öl gewonnen. Es gibt noch mindestens eine weitere Birkenart, die so reich an dem Stoff ist: Betula alnoides aus dem Vietnam, von der ich ebenso eine Analyse mit 99,4 % Methylsalicylat fand (in der Essential Oil Database von Dr. Pappas).

In den USA und Kanada sind derweil auch Süßigkeiten mit Wintergrün-Geschmack mega populär. Man versuchte diese in den 1960ern in Europa beliebt zu machen und scheiterte kläglich. Sämtliche Produktionen dahingehend wurden eingestellt und sind nur noch als Importe zu bekommen. Der gemeine Europäer (Europaeus communis 😉 ) wurde damit nicht warm. Ob es daran liegt, dass der Stoff einfach nicht heimisch bei uns ist?

Okay, so ganz stimmt das ja nicht. Denn wir finden Methylsalicylat auf Weiden und Ufern im Echten Mädesüß, von dem wir zumindest ein Hydrolat herstellen können. Für ein ätherisches Öl reichen die Mengen nicht.

 

Achtung, giftig!

Aus den USA sind dann auch die ganzen Vergiftungsgeschichten mit Methylsalicylat bekannt. 4 bis 8 mL innerlich eingenommen, sind tödlich für ein Kind. Vorrangig bedacht wird hier das synthetisch hergestellte Methylsalicylat. Auch wenn es im Wintergrünöl nicht synthetisch ist: Hände weg vom inneren Gebrauch, insbesondere bei Kindern!

Bei Kontakt mit der Magensäure entsteht durch Esterhydrolyse aus Methylsalicylat Salicylsäure. Dies war die erste Generation von Aspirin, das durch unangenehme Nebenwirkungen, eben vor allem der Magenschleimhautreizung, bald mit Acetylsalicylsäure (ASS) ersetzt wurde. Es gibt ja durchaus Laienkreise von Netzwerkfirmen, in denen es kursiert, immer mal etwas Wintergrünöl in Wasser einzunehmen (Hinweis: Ätherisches Öl vermischt sich nicht mit Wasser – es ist purer Schleimhautkontakt) . Das ist also so, als würde man jemandem (und Kindern) empfehlen, immer mal Aspirin zu nehmen. Einfach so. Präventiv. Und die Dosis kennen wir auch nicht genau.

Äußerlich angewendet sind Birkenöl und Wintergrünöl in der Maximaldosis von 1 % (im Laiengebrauch bitte nur 0,5 %) ein Segen bei rheumatischen Beschwerden. Sie wirken stark entzündungshemmend und durchblutungsfördernd – was zur Schmerzreduktion führt.

 

Birkenteer – aus heimischen Birken

Aber was ist mit der hiesigen Birke? Ein komplett anderer Duft entsteht aus ihr, was jedoch auch an der Herstellung liegt. Birkenteer oder auch Juchtenöl wird aus der Trockendestillation der Rinde der Hänge-Birke gewonnen. Aus der strahlend weißen Gestalt, wird ein Duft, der schwärzer nicht riechen könnte – purer Rauchgeruch. Das geht tief. Ein ganz spezieller Duft für ganz spezielle Einsätze im Psychischen. Körperlich wird das Öl zu meiner Kenntnis nicht eingesetzt.

Das Öl der Anatomen

Und jetzt zum Fisch auf dem Titelbild. Hast du gewusst, dass pures Wintergrünöl für eine Präparationstechnik verwendet wird? Werner Spalteholz, ein Anatom der Universität Leipzig, entdeckte Anfang des 20. Jahrhunderts eine Möglichkeit, anatomische Präparate durchsichtig zu machen. Dafür wird bis heute Wintergrünöl verwendet. Unter dem Begriff der »Aufhellungspräparate« könnt ihr Rezepte mit Wintergrün und den isolierten Stoffen Benzylbenzoat und Isosafrol finden.

Als »Wintergrünöl« wird in der Chemie heute im großen Stil auch synthetisches Methylsalicylat bezeichnet. Erstmals kam dies in 1950ern und 1960ern auf und war eine Rettung für den Bestand der Zucker-Birke in Nordamerika, welche damals schon vom Aussterben bedroht war.

Um die Irritation perfekt zu machen: Auch das aus der Birke gewonnene Öl wurde auf dem Markt als »Wintergrünöl« bezeichnet. Tatsächlich war die Zucker-Birke einst die Hauptquelle zur Gewinnung von »Wintergrünöl«, da es aus ihr einfacher zu gewinnen war als aus Wintergrün.

 

Ein kleiner Funfact zum Abschluss

Die Zucker-Birke wird im Englischen sweet birch oder auch black birch, also Schwarzbirke, genannt – im Gegensatz zu unserer Weißbirke. Sie kann ebenso wie unsere Weißbirke angezapft werden (das ist immer schädlich für einen Baum!), um Saft zu gewinnen. Dort wird dieser eingekocht zu Sirup, der molasseartig dick und dunkel wird und eine Alternative zu Ahornsirup darstellt. Durch das Einkochen verflüchtigt sich mit gewonnenes Methylsalicylat.

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